:: "Übergewichtige Menschen: Höheres Krankheitsrisiko oder krank geredet?"
"Übergewichtige Menschen: Höheres Krankheitsrisiko oder krank geredet?"
Vortrag im Rahmen der Reihe "Der Kampf ums Gewicht" in der Volkshochschule Simmering
Die wissenschaftliche Beweislage ist eindeutig: Übergewicht und ein hoher Taillenumfang in der Allgemeinbevölkerung erhöhen das Krankheits- und Sterblichkeitsrisiko aufgrund vieler Ursachen wie Herz- Kreislauf- und Krebserkrankungen deutlich. Dies trifft jedoch nicht zwangsläufig auf alle Menschen zu. Vor allem bei älteren Menschen kann ein höheres Körpergewicht einen schützenden Faktor darstellen. Oft ist auch die gesellschaftliche Diskriminierung von übergewichtigen Menschen krankmachend und führt zur Beeinträchtigung des psychischen und sozialen Wohlbefindens. Viele Faktoren wie Alter, Geschlecht und medizinische Co-Faktoren sollten in die Entscheidung, ein bestimmtes Körpergewicht anzustreben, einfließen.
Dr. Thomas Dorner vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien tritt für ein individuelles Gewichtsmanagement ein und diskutiert die Frage, ob das Erheben von Übergewicht in den Status einer Krankheit nicht selbst schon krankmachend, im Sinne der Beeinträchtigung des psychischen und sozialen Wohlbefindens, ist. Der Vortrag findet am Donnerstag, den 7. April 2011 um 18 Uhr in der Volkshochschule Simmering, 1110 Wien, Gottschalkgasse 10, bei freiem Eintritt statt.
Vortragsreihe "Der Kampf ums Gewicht"Denn der Kampf ums Gewicht ist längst kein individuelles, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Ernährung ist von einem natürlichen Teil des Lebens zu einem kompliziertem Faktor mit unzähligen Einflussfaktoren geworden. Die Wirtschaft profitiert von der hohen Körperunzufriedenheit. Lebensmittel-, Diät- und Pharmaindustrie steigern mit laufend neuen Angeboten für die Gewichtssorgen der Menschen ihre Gewinne. Kosmetik- und Schönheitsindustrie heben durch einen Schönheitskult ihre Umsätze. Die Modeindustrie betreibt die Diktatur der Idealmaße 90-60-90, obwohl nur 6 von 10.000 Frauen diese Körperform haben. Schönheitsstandards werden durch retuschierte Fotos und schönheitsoperierte SchauspielerInnen verzerrt. Schlankheit wird derart überidealisiert, dass sich selbst normalgewichtige Menschen als zu dick empfinden und gestörtes Essverhalten und Essstörungen ansteigen. Magersucht und massives Übergewicht (Adipositas) sind zwei Seiten dieser Medaille.
Die kostenlose Vortragsreihe wurde vom Wiener Programm für Frauengesundheit initiiert und ist Teil der "Initiative S-O-Ess gegen ungesunde Körperideale" (www.s-o-ess.at). Die Vorträge beleuchten unterschiedliche Faktoren, die unser Gewicht beeinflussen, und benennen die dahinterstehenden Interessen. Gleichzeitig werden Wege zu einem positiven Verhältnis zum eigenen Körper aufgezeigt.
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