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Wien

:: Sachbuch über Wiens orientalische Architektur

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Sachbuch über Wiens orientalische Architektur

Die Moschee an der Wien" relativiert Angst vor schleichender Islamisierung.

Erinnern wir uns an die zahlreichen Aufregungen zum Thema Minarette und Moscheen in Österreich. Von "nicht ins Ortsbild passend" bis "artfremd" reichte die Sammlung der Wortspenden. Dabei könnte man das Thema durchaus unaufgeregt angehen, wie Claudius Caravias in seinem Buch "Die Moschee an der Wien" zu beweisen sucht. Denn orientalische Einflüsse waren spätestens seit der letzten Türkenbelagerung, die 1683 endete, Teil des Stadtbildes. Allerdings keineswegs aufgrund von geglückten Eroberungen, die Verteidigung Wiens war ja erfolgreich. Vielmehr gehörte es zum damaligen guten Ton orientalische Einflüsse zu rezipieren.

Zwei historische Ereignisse prägend

Nachdem das Entsatzheer unter der Führung Sobieskis die Stadt befreit hatte, durften die zurückgelassenen Güter der Türken geplündert werden. Dabei standen die Bürger Wiens in der Plünderordnung an erster Stelle. Ein regelrechter Boom für orientalische Kunstelemente hob an. Ein zweites Mal, so Caravias, setzten sich die Wiener Architekten mit orientalischen Einflüssen durch eine von Frankreich ausgehende Modewelle im Historismus des 19. Jahrhunderts auseinander. Höhepunkt war die Wiener Weltausstellung 1873.

Nach der Türkenbelagerung: Belvedere und Karlskirche

Wenn man es nicht weiß, kommt man nicht darauf - aber das Dach des Belvedere, des damaligen Gartenpalais des Prinzen Eugen, ist bewusst türkischen Prunkzelten nachempfunden. Jahre zuvor standen an der Stelle des heutigen Belvedere tatsächlich noch türkische Belagerungszelte.

Auch die Karlskirche trägt orientalische Architekturelemente. Der Architekt - Johann Bernhard Fischer von Erlach - ließ sich unter anderem von der Süleyman-Moschee in Konstantinopel inspirieren. Die Karlskirche wurde von ihm ganz bewusst 1716 als "türkische Moschee" ins Wiener Stadtbild gesetzt. Das Überraschende daran: gerade in einer Zeit als die Türkenbelagerung im kollektiven Bewusstsein noch sehr präsent war, wurde die Silhouette einer "Moschee" nicht als Bedrohung empfunden. Die Intention des Auftraggebers Karl VI war übrigens eine Verbindung zwischen Wien, Konstantinopel und Rom - um das heilige römische Reich zu symbolisieren und Wien als seine dritte Hauptstadt erscheinen zu lassen.

Historismus und Orientalismus

Als auslösendes Moment für den wachsenden Orientalismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts benennt Caravias unter anderem die Feldzüge Napoleons und die daraus resultierenden Kolonialreiche in Nordafrika und Ägypten. Diese hatten Forschungsreisen und Expeditionen zur Folge, die wiederum orientalische Einflüsse nach Europa brachten - und zur Mode machten. Niederschlag fanden diese Strömungen sowohl in der Literatur als auch in der Architektur: so trägt unter anderem das Arsenal in Wien Erdberg, das in der Rekordzeit von 7 Jahren (1849-1856) erbaut wurde, eindeutig orientalisch-maurische Züge.

Mit zahlreichen weiteren Beispielen innerhalb und außerhalb von Wien zeigt Claudius Caravias, dass islamische Einflüsse in den letzten 300 Jahren immer als Bereicherung und nicht als Symbole eines kulturellen Feindbildes gesehen wurden.

Daten über den Autor

Der studierte Architekt Claudius Caravias widmete sich bereits während seines Studiums an der TU Wien historischen Themen. Das Zusammenspiel zwischen Historie und Architektur prägte auch seine Tätigkeit als Stadtarchitekt in Ybbs Anfang der 1990er Jahre. In diesem Zusammenhang widmete sich der gebürtige Linzer ebenso historischen Dokumenten von Stadtschreibern. Dem folgten Aufträge in Wien, unter anderem die Revitalisierung des St. Marxer Friedhofes.

Als Autodidakt wirkte Caravias nicht nur als Historiker, sondern auch als Musiker. Zudem war Caravias auch Journalist - besonders im Bereich Kultur für die "Niederösterreichischen Nachrichten" - und Autor. Über Walter Berry, den bekannten Wiener Opernsänger, dessen Schüler er war, verfasste er eine Biografie. Im Zuge dessen entstand 2001 die Idee, Bücher selbst zu verlegen - der Luna-Verlag wurde gegründet.

Die Idee zum Buch "Die Moschee an der Wien" entstand während des Architektur-Studiums und war eigentlich als Dissertation geplant. Durch verschiedene Umstände landete das Manuskript jedoch in der Schublade. Die eingangs erwähnte Diskussion um Minarette im Ortsbild machten das Thema aber wieder aktuell und Caravias befand, dass der Zeitpunkt für eine Veröffentlichung gekommen sei. Dies nicht zuletzt, um der Angst vor Islamisierung entgegenzuwirken und die verbindenden Elemente zwischen der abend- und morgenländischen Kultur aufzuzeigen. Claudius Caravias starb am 10.07.2008 unerwartet im 58. Lebensjahr. Der Luna-Verlag wird derzeit von seiner Frau, Angelika Caravias, weitergeführt.

Claudius Caravias, "Die Moschee an der Wien. 300 Jahre islamischer Einfluss in der Wiener Architektur." Eichgraben 2008, Luna Verlag. Nähere Infos zu weiteren Büchern von Claudius Caravias und Bestellmöglichkeit unter www.lunaverlag.at .

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