:: Wien-Mitte: Spritzbesteck in Telefonzellen
Wien-Mitte: Spritzbesteck in Telefonzellen
Münzfernsprecher werden in Wien zunehmend zu einem Rückzugsort für Drogenkranke. Offiziell will bei den beteiligten Eigentümern, Verwaltern und Nutzern niemand bestätigen, dass das ein Anlass zur Sorge sei.
Wien. „Hier kommt man gerne an!“ So lautete die Überschrift einer Presseaussendung der ÖBB, die Ende Juli über die zahlreichen Um- und Neubauten von Bahnhöfen informierte. An den Bahnhof Wien-Mitte hat man dabei offenbar nicht wirklich gedacht. Hier, und an anderen Standorten, entwickelte sich zuletzt und von den Blicken der Passanten unbemerkt ein veritables Problem mit Drogenkranken. Die Süchtigen nutzen nämlich Einrichtungen, die im Mobilfunkzeitalter sonst kaum noch jemand braucht: Telefonzellen.
Bei zwei Lokalaugenscheinen am Dienstag und Donnerstag dieser Woche waren – nur wenige Meter neben vorbeieilenden Fahrgästen und Schülern – katastrophale hygienische Zustände zu beobachten. Spritzbestecke, blutige Tupfer, leere Packungen starker Medikamente und die Reste von Alufolie, in der Heroin aufgekocht wurde: Die knapp ein Dutzend Kojen, die in die Wände der großen unterirdischen Halle zwischen den U-Bahnen U3, U4 und der Schnellbahn eingelassen sind, dienen ganz offensichtlich als beliebte Rückzugsorte zum Drogenkonsum.
Und tatsächlich betritt man mit einem Schritt in die Nische so etwas wie eine andere Welt. Passanten nehmen die Kojen (und das, was darin geschieht) in ihrer Eile fast nie wahr, im Inneren sorgen schallabsorbierende Wandpanele für eine fast schon entrückte Atmosphäre: Während wenige Schritte weiter der hektische Alltag pulsiert, herrschen hier drinnen Ruhe, Abgeschiedenheit und Intimität.
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