:: Migranten: Wie gut sind Ausländer in Wien integriert?
Migranten: Wie gut sind Ausländer in Wien integriert?
Im Wiener Wahlkampf wird über Wiener Blut diskutiert, womit die Diskussion über Integration von Ausländern läuft. Die sind laut einer neuen Studie nicht gewalttätiger als Österreicher, dafür schlecht gebildet.Wien. Lange Zeit war die Integrationsdebatte von zwei Stereotypen dominiert. Einerseits von Do&Co-Chef Attila Dogudan als Musterbeispiel für Integration, auf der anderen Seite vom Bild des rückständigen Bergbauern aus dem tiefsten Anatolien. Langsam ändern sich die Bilder: Fast alle Parteien haben für die Wien-Wahl Kandidaten mit Migrationshintergrund auf der Liste. Immerhin besitzen 558.010 Wiener (32,8 Prozent) eine ausländische Staatsbürgerschaft oder wurden im Ausland geboren. Sogar die FPÖ, die im Wahlkampf auf „Wiener Blut“ setzt, angelt in der serbischen Community nach Stimmen. „Die Presse“ ging deshalb der Frage nach: Wie sieht es mit dem Thema Ausländer & Integration in Wien wirklich aus?
Gewalt bei Jugendlichen. Berichte über gewalttätige jugendliche Migranten, die in Wiener Parks österreichischen Kindern Handy und Geld rauben, hatten in der Vergangenheit große Wellen geschlagen. Die Bildungspsychologinnen Christiane Spiel, Elisabeth Stefanek und Dagmar Strohmeier (Uni Wien) haben nun das Aggressionsverhalten untersucht. Das Ergebnis der Studie, die gestern, Mittwoch, präsentiert wurde: Jugendliche Migranten der ersten Generation unterscheiden sich nicht von österreichischen Jugendlichen – was die Häufigkeit von aggressivem Verhalten angeht. Es gibt aber einen Unterschied in der Motivation: Österreichische Jugendliche werden aus Ärger oder Selbstverteidigung gewalttätig; Migranten weil sie „dazugehören, akzeptiert und anerkannt“ werden wollen. Auch bisherige Studien hatten aufgezeigt, dass jugendliche Migranten nicht gewalttätiger sind als österreichische Jugendliche.
Integration ist nie abgeschlossen. „Ausländer wollen sich nicht integrieren“, lautet ein Vorwurf, dem die Migrationsforscherinnen Barbara Herzog-Punzenberger und Rossalina Latchev (Uni Wien) nachgegangen ist. Das Ergebnis, das ebenfalls am Mittwoch präsentiert wurde: „Integration ist kein linearer Prozess von ,nicht integriert‘ bis zum Abschluss mit ,100 Prozent integriert‘. In anderen Worten: Es gibt unterschiedliche Phasen, in denen sich Migranten mehr oder weniger gut integriert fühlen. Abträglich für die Integration ist laut Studie „parteipolitische Werbung“, was auf die plakatierten Botschaften der FPÖ abzielt. Dadurch hätten auch Migranten, die seit Jahrzehnten Staatsbürger sind, Angst vor Abschiebung, was für die Integration kontraproduktiv sei.
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